Wie können gleichgeschlechtliche Paare in der Schweiz Kinder haben?

Wie können gleichgeschlechtliche Paare in der Schweiz Kinder haben?

EmmaLife 07.04.21 Ø 2 Min. Lesezeit

Gleichgeschlechtliche Paare sind bezüglich Kinderwunsch in der Schweiz sind nach wie vor benachteiligt – EmmaLife beantwortet die häufig gestellten Fragen. 

Grundsatz

Gleichgeschlechtliche Paare sind in der Schweiz gemäss dem Partnerschaftsgesetzes (PartG) von der gemeinschaftlichen Adoption ausgeschlossen. Weil die Schweiz gleichgeschlechtliche Elternschaft bei Paaren, die ein Kind im Ausland adoptiert haben, unter bestimmten Voraussetzungen jedoch anerkennt, leben bereits einige Kinder in der Schweiz, die auch rechtlich zwei Mütter oder zwei Väter haben.

Vorsorge 

Nach geltendem Recht ist die gleichgeschlechtliche Elternschaft in der Schweiz nicht möglich. Das heisst, es kann kein Kindesverhältnis zum nicht genetischen Elternteil begründet werden. Ohne Kindesverhältnis gibt es auch keine elterliche Sorge, das heisst der Co-Elternteil hat weder Rechte noch Pflichten.

Dadurch ergeben sich für Kinder in Regenbogenfamilien eklatante Nachteile: zum Beispiel keine Unterhaltsansprüche und kein Erbrecht des Kindes gegenüber dem Co-Elternteil, keine Verwandtschaft zum Co-Elternteil und dessen Familie, kein Besuchsrecht des Co-Elternteils bei Trennung der Eltern, keine Kinder- und Waisenrente in Bezug auf den Co-Elternteil und so weiter. 

Vor allem bei fehlenden Kindesverhältnissen lohnt es sich, die Liebsten mit einer Erwerbsunfähigkeits- oder einer Risikolebensversicherung zu schützen – damit im Ernstfall für alle gesorgt ist. 

Ist die Adoption des leiblichen Kindes der Partnerin / des Partners (Stiefkindadoption) möglich?

Ab 1. Januar 2018 steht die Möglichkeit der Stiefkindadoption nicht nur Ehepaaren, sondern auch Paaren in eingetragener Partnerschaft und Paaren in einer faktischen Lebensgemeinschaft offen. Konkret bewirkt die Gesetzesänderung, dass eine Person das Kind ihrer Partnerin oder ihres Partners adoptieren kann, sofern dessen zweiter leiblicher Elternteil unbekannt, verstorben oder mit der Übertragung seiner Rechte und Pflichten einverstanden ist – natürlich immer vorausgesetzt, dass die Adoption die beste Option für das Wohl des Kindes darstellt. Da es nicht möglich ist, mehr als zwei rechtliche Eltern zu haben, ist bei einer Stiefkindadoption bei Kindern, die bisher bereits zwei rechtliche Elternteile haben (z.B. aus einer früheren heterosexuellen Beziehung) die Zustimmung des zweiten Elternteils notwendig, um dessen rechtliche Elternschaft aufzuheben.

Ist eine Einzeladoption für LGBTQ-Personen möglich?

Als ledige Einzelpersonen können LGBTQ*-Personen ein Kind adoptieren.Die Voraussetzungen für eine Adoption in der Schweiz sind jedoch nur mit viel Aufwand zu erfüllen. Ausserdem gehen die Zahlen der zu adoptierenden Kinder seit 1980 kontinuierlich zurück.

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Besteht die Möglichkeit einer künstliche Befruchtung?

Gleichgeschlechtliche Paare sind in der Schweiz von allen fortpflanzungsmedizinischen Verfahren ausgeschlossen (Art. 28 PartG). Zur Samenspende sind lediglich verheiratete heterosexuelle Paare zugelassen. LGBTQ*-Personen nutzen jedoch zunehmend die Angebote von Fruchtbarkeitskliniken im europäischen Ausland (z.B. Dänemark, Spanien und seit 2016 auch Österreich), wo sie mit Spendersamen aus Samenbanken behandelt werden. Dabei wird zwischen offener und anonymer Samenspende unterschieden. Bei der offenen Samenspende kann das Kind ab einem gewissen Alter (je nach Land 16 oder 18 Jahre) Auskunft über den Samenspender einholen. Im Falle einer anonymen Spende werden keinerlei Auskünfte über den Samenspender erteilt. Die Umgehung des schweizerischen Rechts und die Durchführung der künstlichen Befruchtung im Ausland sind nicht strafbar.

Können gleichgeschlechtliche Paare Pflegekinder aufnehmen?

Pflegekinder aufzunehmen stellt für LGBTQ*-Personen eine prüfenswerte Möglichkeit dar. In der Schweiz besteht ein Bedarf an Pflegeplätzen. Dabei gibt es verschiedene Pflegeverhältnisse, wie zum Beispiel Tages-, Wochen- oder Dauerpflege. 

Ist die Leihmutterschaft in der Schweiz erlaubt?

Die Leihmutterschaft ist in der Schweiz verboten. Separat von diesem Verbot zu betrachten ist jedoch die Frage, ob ein im Ausland mit Hilfe einer Leihmutter begründetes Kindesverhältnis zu den Wunscheltern in der Schweiz anerkannt wird. Gemäss der Rechtsprechung des EGMR (Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte) müssen zumindest mit dem Kind verwandte Elternteile anerkannt werden. In zahlreichen Ländern (z.B. Kanada und USA) ist die Leihmutterschaft erlaubt, wobei die gesetzlichen Rahmenbedingungen, Höhe der Kosten sowie der Schutz der Leihmütter in den verschiedenen Staaten sehr unterschiedlich sind. Tatsache ist aber, dass immer mehr Paare mit unerfülltem Kinderwunsch aus der Schweiz eine Leihmutterschaft im Ausland in Anspruch nehmen. Die Umgehung des schweizerischen Leihmutterschafts-Verbots ist ebenfalls nicht strafbar.