Warum gelten in der Schweiz noch keine Unisex-Tarife für Versicherungen?

Warum gelten in der Schweiz noch keine Unisex-Tarife für Versicherungen?

Nadia 20.11.20 Ø 2 Min. Lesezeit

Der Europäische Gerichtshof hat im Jahr 2012 entschieden, dass das Geschlecht keinen Einfluss mehr auf die Prämienhöhe haben darf. Da dies für die Schweiz nicht bindend ist, hat sich die Schweiz dem Gesetz nie angepasst - doch wieso? Wir gehen den Ursachen auf den Grund und erklären dir hier, wieso es in der Schweiz länger dauert bis zur Einführung eines Unisex-Tarifs.

Unisex-Tarif der Europäischen Union

Gemäss dem Europäischen Gerichtshof darf das Geschlecht seit 2012 bei der Höhe der Prämie keine Rolle mehr spielen. In allen EU-Ländern haben sie dementsprechend einen Unisex-Tarif eingeführt. Das heisst, dass das Geschlecht des Versicherungsnehmers nicht als Prämienkriterium verwendet werden darf, obwohl es die Risikobewertung beeinflusst.

Zum Beispiel ist die Lebenserwartung der Frauen höher im Vergleich zu der der Männer. Dadurch ist die Prämie von Lebensversicherungen für Frauen niedriger als für Männer - nicht mehr in den Ländern, die der EU angehören. Diese Unisex-Tarif-Einführung sollte die Gleichstellung von Mann und Frau fördern.

Wie sieht es mit dem Unisex-Tarif in der Schweiz aus?

In der Schweiz sind wir noch weit von einem solchen Unisex-Tarif entfernt. Der Schweizerische Versicherungsverband SVV ist in der Schweiz dafür zuständig die Interessen der privaten Versicherungswirtschaft auf nationaler und internationaler Ebene zu vertreten und wäre dementsprechend zuständig für eine Lancierung der Unisex-Tarife.

Gegenüber SRF und NZZ haben Sprecher des SVV jedoch angegeben, dass sie nicht hinter der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes stehen und solche Tarife nicht in die Schweiz übernehmen möchten. Dagegen spreche vor allem, dass es durch Unisex-Tarife ebenfalls wieder zu einer Benachteiligung käme.

Ein Beispiel dafür ist die Risikolebensversicherung: Frauen haben im Durchschnitt eine höhere Lebenserwartung als Männer und sind durchschnittlich weniger risikobereit als Männer. Aus diesem Grund zahlen Frauen weniger Prämie als Männer. Das Gleiche gilt bei Autoversicherungen - Frauen haben weniger Autounfälle als Männer und zahlen aus diesem Grund tiefere Prämien.

Wenn nun Frauen und Männer die gleiche Prämie zahlen müssten, dann würde dies dem Prinzip der risikogerechten Prämie widersprechen. Hier stellt sich dann allerdings die Frage, ob eine Risikomessung anhand des Geschlechts noch zeitgemäss ist, da gerade die Gleichberechtigung ein brennendes Thema in der heutigen Gesellschaft ist.

Es könnte jedoch im Extremfall passieren, dass nur noch das risikoreichere Geschlecht eine Versicherung abschliesst und dadurch die Nachfrage der Versicherung insgesamt sinkt. Dadurch wäre die Prämie wieder so hoch wie sie für das risikoreichere Geschlecht ohnehin gewesen wäre, auch ohne Unisex-Tarife.

Was spricht für Unisex-Tarife?

Gemäss Befürwortern von Unisex-Tarifen seien Unterschiede in der Prämie nicht primär durch das Geschlecht beeinflusst sondern auch durch soziale Einflussgrössen wie Einkommens- oder Bildungsstatus. Dadurch entsteht aufgrund der unterschiedlichen Prämien von Männern und Frauen eine Ungleichheit, die nicht mit Sicherheit aufgrund des statistischen Risikos zwischen Männern und Frauen gerechtfertigt werden kann.

Es kann also sein, dass Risiko und Geschlecht zufällig gleich verlaufen, aber es kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, dass es sich bei diesen Zusammenhängen um eine Ursache-Wirkung-Folge handelt. Mehr zu diesem Thema findest du hier.

Zusammenfassung

Auch wenn es in der Schweiz nicht danach aussieht, als würden zeitnah Unisex-Tarife eingeführt werden, ist uns die Problematik bewusst. Wir finden das Thema sehr spannend und arbeiten daran, Fortschritte hin zur Geschlechtergleichheit zu erzielen.In der Zwischenzeit freuen wir uns darüber, wenn du unsere Angebote durchstöberst. Bis bald!

 

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