Konkubinat - ein Blick ins Leben von Konkubinatspaaren

Konkubinat - ein Blick ins Leben von Konkubinatspaaren

Nadia 14.08.20 Ø 2 Min. Lesezeit

Habt ihr euch auch schon überlegt, ob ihr noch heiraten oder doch einfach lieber im Konkubinat weiterleben wollt? Früher wurde meist geheiratet, heute liegt der Anteil unverheirateter Paare in der Schweiz bereits bei 41%. Als Konkubinat bezeichnet man die Lebensgemeinschaft zweier nicht miteinander verheirateter Personen.

Wir haben für euch zwei Konkubinatspaare interviewt. Sie erzählen exklusiv von ihren Erlebnissen.

Interviews mit Personen, die im Konkubinat leben

Andreas (34 Jahre) ist seit 15 Jahren mit Cornelia zusammen. Vor 3 Jahren haben sie ihr erstes Kind bekommen und vor 4 Monaten folgte das nächste.

Elias (33 Jahre) ist seit 4.5 Jahren mit Ruth zusammen und ihr Kind kam vor einem halben Jahr zur Welt. Sie sind vor drei Jahren aus Deutschland in die Schweiz gezogen. Beide sind deutsche Staatsbürger.

Beide erzählen uns, wie sie es erleben im Konkubinat zu leben, was ihre Herausforderungen sind und wie es in Zukunft weitergehen könnte.

Warum habt ihr euch gegen eine Hochzeit bzw. für das Konkubinat entschieden?

Andreas: “Grundsätzlich finde ich, dass Liebe nicht vertraglich geregelt sein muss. Für mich ist die Institution Ehe ein altes Konstrukt, das mit falschen “romantischen” Vorstellungen verbunden ist. Gleichzeitig zementiert es die Ungleichheit zwischen Mann und Frau.”

Elias: “Wir haben uns nicht gegen eine Hochzeit oder für ein Konkubinat entschieden. Die Standardeinstellung ist das Konkubinat. Wir haben einfach noch nicht geheiratet, weil wir uns bisher noch nicht danach gefühlt haben.”

Habt ihr einen Konkubinatsvertrag abgeschlossen?

Andreas: “Nein, schliesslich braucht es ja nicht zwingend einen Vertrag, wenn man in einer nicht-ehelichen Lebensgemeinschaft lebt.”

Elias: “Nein.”

Was hat sich für euch bei der Entscheidung im Konkubinat zu leben, geändert?

Andreas: “Wir wohnen zusammen und haben zusammen Kinder.”

Elias: “Die Entscheidung ist ja so gar nicht gefallen. Wir waren zusammen, sind zusammen nach Basel in die gleiche Wohnung gezogen und haben ein Kind bekommen.”

 

Wie habt ihr euch abgesichert bzw. was musstet ihr beachten als das Kind zu Welt kam?

Elias: “Wir haben uns nicht speziell abgesichert. Allerdings habe ich Ruth als Begünstigte bei der Pensionskasse hinterlegt, was sehr wichtig ist.”

Andreas hingegen schon: “Ich habe eine Risiko-Todesfallversicherung abgeschlossen, da es für Unverheiratete weder eine private noch eine staatliche Witwenrente gibt. Dabei erhält Cornelia im Falle von meinem Tod die festgelegte Versicherungssumme ausbezahlt.”

Was waren Herausforderungen?

Andreas: “Die grösste Herausforderung ist, dass wir uns zwingen müssen, uns mit den Themen Vorsorge/Absicherung auseinanderzusetzen.”

Für Elias war die Vaterschaftsanerkennung eine Herausforderung: “Als Vater muss man in einem Konkubinat zuerst eine Vaterschaftsanerkennung machen, was verbunden ist mit Formularen und Kosten. Zudem wird die Schweizer Vaterschaftsanerkennung in Deutschland nicht akzeptiert, wenn diese erst nach der Geburt stattfindet. Dadurch mussten wir das gleiche Prozedere auch noch in Deutschland durchführen. Dies wird noch komplizierter wenn das Kind den Namen des Vaters annehmen soll.”

Wie stellt ihr sicher, dass ihr trotzdem abgesichert seid im Alter?

Andreas: “Wir haben uns gegenseitig als Begünstigte bei der Pensionskasse eingetragen und wir haben beide ein 3a-Konto.”

Elias: “Bis das Kind kam, haben wir beide 100% gearbeitet - daher war bis zu dem Zeitpunkt jeder für sein eigenes Glück zuständig. Seit das Kind da ist, teilen wir das Einkommen. Das sind jedoch noch keine finalen Lösungen.”

Könntet ihr euch in Zukunft vorstellen, doch noch zu heiraten?

Andreas: “Never say never.”

Elias: “Ja.”

Weitere wichtige Aspekte aus der Sicht von Andreas und Elias

Andreas möchte euch noch mitgeben, dass es sich bei Kindern lohnt, die Krankenkasse-Zusatzversicherung schon vor der Geburt des Kindes abzuschliessen. Sollte die Anmeldung nach der Geburt erfolgen und das Kind mit Geburtsfehlern auf die Welt kommen, können die Krankenkassen Zusatzversicherungen vermeiden.

Insgesamt erklärt Andreas, dass die Ehe bestimmt der einfachere Weg sei, vor allem sobald Kinder ins Spiel kommen. Er rate trotzdem allen, es sich genau zu überlegen und stellt folgende Fragen in den Raum: “Ist es nicht an der Zeit, antiquierte Vorstellungen zu überdenken? Ist die Ehe wirklich noch zeitgemäss?”

Elias möchte zum Schluss sagen, dass die Vaterschaft unbedingt rechtzeitig anerkannt werden sollte, so dass man auch noch einen Termin vor der Geburt erhält. Es mache einen grossen Unterschied ob man vor oder nach der Geburt die Vaterschaft anerkennen lässt, insbesondere für einen deutschen Pass.

Andreas und Elias haben uns einen exklusiven Einblick in ihre Partnerschaft gegeben - vielen Dank! Wir haben in Zusammenarbeit mit Experten eine Liste erstellt, was noch alles wichtig ist, wenn ihr im Konkubinat lebt. Die wichtigsten Dinge, die zu beachten sind, findet ihr hier!

 

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