Ehe, eingetragene Partnerschaft und Konkubinat – die Unterschiede.

Ehe, eingetragene Partnerschaft und Konkubinat – die Unterschiede.

EmmaLife 22.02.21 Ø 6 Min. Lesezeit

Frau und Mann, Frau und Frau, Mann und Mann und alles dazwischen. Die Liebe macht da keinen Unterschied. Die Vorsorgeregelung dagegen schon. EmmaLife zeigt dir die Unterschiede zwischen Ehe, eingetragener Partnerschaft und Konkubinat. 

Ehe

Die Ehe eine rechtlich geschützte Verbindung aus Mann und Frau, die ab dem 18. Lebensjahr geschlossen werden kann – so steht es in unserem Gesetz.

Im Todesfall

Nach dem Tod gehen das gesamte Vermögen sowie allfällige Schulden des oder der Verstorbenen auf die Erbinnen und Erben über. Mit einem Testament oder einem Erbvertrag entscheidest du selbst über die Verteilung deines Erbes und sorgst dafür, dass dein letzter Wille eingehalten wird. Ohne Testament wird dein Erbe wie gesetzlich vorgesehen aufgeteilt.

  • Vermögen und allfällige Schulden: Die Ehegattin oder der Ehegatte und die gemeinsamen Kinder sind Haupterben
  • Eigenheim und Hausrat: Das Eigenheim sowie der Hausrat werden dem oder der Überlebenden zugewiesen, falls er oder sie das wünscht. 
  • Leistungen aus der 1. und 2. Säule: Der überlebende Gatte oder die überlebende Gattin erhält eine AHV-Hinterlassenenrente sowie bei ehemals Erwerbstätigen eine BVG-Hinterlassenenrente. Der überlebende Gatte erhält eine AHV-Hinterlassenenrente nur, wenn er Kinder unter 18 Jahren hat. Auch wenn der verstorbene Ehegatte oder die verstorbene Ehegattin bereits pensioniert war, besteht Anspruch auf die Renten. Das BVG sieht eine Witwen- oder Witwerrente vor, wenn entweder die überlebende Ehegattin oder der überlebende Ehegatte für den Unterhalt eines oder mehrerer Kinder aufkommen muss – oder wenn das 45. Lebensjahr zurückgelegt wurde und die Ehe mindestens fünf Jahre gedauert hat.
  • Leistungen aus der 3. Säule: In der privaten Vorsorge ist die Begünstigung unterschiedlich geregelt. In der Säule 3a steht immer der Ehegatte oder die Ehegattin an erster Stelle, an 2. Stelle folgen Kinder, massgeblich unterstützte Personen oder ein Lebenspartner. Und ab der 3. Stelle kann flexibel zwischen den Eltern, den Geschwistern oder übrigen Erben gewählt werden. In der Säule 3b kann die Begünstigung bereits ab der 1. Stelle flexibel gestaltet werden. 

Bei Urteilsunfähigkeit

Ein Unfall oder eine schwere Krankheit und plötzlich bist du nicht mehr urteilsfähig. Stelle sicher, dass so viel wie möglich in deinem Sinne geschieht – und nimm deinen Liebsten die Last dieser Entscheidungen ab.

  • Mit einem Vorsorgeauftrag definierst du Sie deine Stellvertretung in persönlichen, finanziellen und rechtlichen Belangen.
  • Mit einer Patientenverfügung bestimmst du über die gewünschten medizinischen Massnahmen, wenn du selbst keine Entscheidungen mehr treffen kannst – etwa bezüglich Reanimation, künstlicher Ernährung oder Beatmung.

Bei Scheidung

Der sogenannte Güterstand entscheidet darüber, wie das gemeinsame Vermögen bei einer Scheidung aufgeteilt wird. Schliessen Ehegatten keinen Ehevertrag, so gilt die Errungenschaftsbeteiligung. Das heisst, dass das während der Ehe gemeinsam ersparte Vermögen je zur Hälfte aufgeteilt wird.

Gut zu wissen: 

Mit einem freiwilligen Ehevertrag können sich die Ehegatten auch auf einen anderen Güterstand wie etwa die Gütertrennung einigen. Dabei verwalten beide ihr eigenes Vermögen und verfügen selbst darüber. Die Leistungen aus 1. und 2. Säule können mit einem Ehevertrag jedoch nicht beeinflusst werden.

  • Leistungen aus der 1. Säule: Gemäss dem sogenannten AHV-Splitting wird die AHV-Rente bei einer Scheidung aufgeteilt, sofern beide Ehegatten Anspruch auf eine Alters- oder Invalidenrente haben. AHV-Gutschriften und Einkommen werden in Bezug auf die Ehedauer zur Berechnung der AHV-Rente aufgeteilt.
  • Leistungen aus der 2. Säule: Das Pensionskassenvermögen wird gesplittet und zu gleichen Teilen zwischen den Ehepartnern aufgeteilt. Ausgenommen sind diejenigen Vorsorgevermögen inklusive Verzinsung, die vor der Heirat für das Alter gespart wurden.

Kinder

Gemäss Gesetz wird das Kindesverhältnis zwischen Kind und Vater mit der Ehe zwischen Vater und Mutter begründet. Es gilt somit die gesetzliche Vaterschaftsvermutung des Ehemannes.

  • Im Rahmen der elterlichen Sorge sind in der Regel beide Ehegatten auch nach der Scheidung für das gemeinsame Kind verantwortlich.
  • Wenn eine Gattin oder ein Gatte ein Kind in die Ehe bringt, übernimmt der andere Gatte die Vertretung in der Ausübung der elterlichen Sorge. Aber nur, wenn es die Umstände erfordern.
  • Beide Ehegatten haben eine Unterhaltspflicht gegenüber ihren Kindern. Jeder Ehegatte hat dabei auch dem andern in der Erfüllung der Unterhaltspflicht gegenüber vorehelichen Kindern in angemessener Weise beizustehen.
  • Eine gemeinschaftliche Adoption und Stiefkindadoption ist möglich.
  • Zugang zur Fortpflanzungsmedizin wie künstliche Befruchtung sowie Verwendung von gespendeten Samenzellen ist erlaubt.

Steuern

Ehegatten werden gemeinsam besteuert.

Eingetragene Partnerschaft / Gleichgeschlechtliche Paare

Damit homosexuelle Paare grösstenteils dieselben Rechte geniessen wie Ehepaare, müssen sie ihre Partnerschaft beim Zivilstandsamt eintragen lassen, mindestens 18 Jahre alt sein und in der Schweiz wohnen. Lediglich beim Güterrecht, beim Erbrecht und beim Thema Kinder bleiben Unterschiede zwischen der Ehe und der eingetragenen Partnerschaft bestehen.

Im Todesfall

Nach dem Tod gehen das gesamte Vermögen sowie allfällige Schulden des oder der Verstorbenen auf die Erbinnen und Erben über. Mit einem Testament oder einem Erbvertrag entscheidest du selbst über die Verteilung deines Erbes und sorgst dafür, dass dein letzter Wille eingehalten wird. Ohne Testament wird Ihr Erbe wie gesetzlich vorgesehen aufgeteilt.

  • Vermögen und allfällige Schulden: Die eingetragene Partnerin oder der eingetragene Partner und die gemeinsamen Kinder sind Haupterben.
  • Eigenheim und Hausrat: Das Eigenheim sowie der Hausrat werden der überlebenden eingetragenen Partnerin oder dem überlebenden eingetragenen Partner zugewiesen, falls er oder sie das wünscht. 
  • Leistungen aus der 1. und 2. Säule: Die überlebende Partnerin oder der überlebende Partner erhält eine AHV-Hinterlassenenrente sowie bei ehemals Erwerbstätigen eine BVG-Hinterlassenenrente. Der überlebende Partner erhält eine AHV-Hinterlassenenrente nur, wenn er Kinder unter 18 Jahren hat. Auch wenn der verstorbene eingetragene Partner oder die verstorbene eingetragene Partnerin bereits pensioniert war, besteht Anspruch auf die Renten. Die BVG-Hinterlassenenrente wird ausbezahlt, wenn der überlebende eingetragene Partner oder die überlebende eingetragene Partnerin für den Unterhalt eines oder mehrerer Kinder aufkommen muss oder wenn das 45. Lebensjahr zurückgelegt wurde sowie die eingetragene Partnerschaft mindestens fünf Jahre gedauert hat.
  • Leistungen aus der 3. Säule: In der privaten Vorsorge ist die Begünstigung unterschiedlich geregelt. In der Säule 3a steht immer die eingetragene Partnerin oder der eingetragene Partner an erster Stelle, an 2. Stelle folgen die Kinder, massgeblich unterstützte Personen oder ein Lebenspartner. Und ab der 3. Stelle kann flexibel zwischen den Eltern, den Geschwistern oder übrigen Erben eine beliebige Person gewählt werden. In der Säule 3b kann die Begünstigung bereits ab der 1. Stelle flexibel gestaltet werden.

Bei Auflösung

Mit einem Vermögensvertrag wird der Güterstand zu Beginn der eingetragenen Partnerschaft festgelegt. Dieser entscheidet darüber, wie das gemeinsame Vermögen bei einer Auflösung der eingetragenen Partnerschaft aufgeteilt wird. Ohne Vertrag gilt im Fall einer Auflösung grundsätzlich die sogenannte Gütertrennung. Das heisst, dass beide Partnerinnen oder Partner selbst ihr Vermögen verwalten und darüber verfügen. 

Gut zu wissen:

Mit einem freiwilligen Vermögensvertrag können sich die Partnerinnen oder Partner auch auf einen anderen Güterstand einigen. Die Leistungen aus 1. und 2. Säule können mit einem Vermögensvertrag aber nicht beeinflusst werden.

  • Im Falle einer Auflösung nehmen beide Partnerinnen oder Partner ihr Vermögen, und das Paar regelt die gegenseitigen Schulden. Falls eine oder einer der beiden an einem Vermögenswert im Miteigentum Interesse hat, so kann er oder sie die ungeteilte Zuweisung gegen Entschädigung verlangen.
  • Leistungen aus der 1. Säule: Gemäss dem sogenannten AHV-Splitting wird die AHV-Rente bei einer Auflösung aufgeteilt, sofern beide Partnerinnen oder Partner Anspruch auf eine Alters- oder Invalidenrente haben. Werden die AHV-Gutschriften/Einkommen in Bezug auf die Beziehungsdauer zur Berechnung der AHV-Rente aufgeteilt.
  • Leistungen aus der 2. Säule: Das während der Dauer der eingetragenen Partnerschaft erworbene Pensionskassenvermögen wird aufgeteilt. 

Kinder

Wird ein Kind in die eingetragene Partnerschaft mitgebracht, kann dieses von der eingetragenen Partnerin oder vom eingetragenen Partner mittels Stiefkindadoption adoptiert werden. Dies ist möglich, wenn man mindestens drei Jahre im gleichen Haushalt lebt.

  • Für die in die Partnerschaft mitgebrachten Kinder sind beide Partner verantwortlich und unterhaltspflichtig. Dies gilt auch nach der Auflösung der Partnerschaft.
  • Eine gemeinschaftliche Adoption von nicht leiblichen Kindern ist nicht möglich.

Steuern

Beide Partnerinnen oder Partner werden gemeinschaftlich besteuert.

Konkubinat

Die korrekte Bezeichnung für Lebensgemeinschaften aller Art ist das Konkubinat. Der bedeutendste Unterschied zwischen Ehe, eingetragener Partnerschaft und Konkubinat ist, dass der besondere rechtliche Schutz für das Konkubinat nicht gilt. Dafür kann man aber einen Vertrag abschliessen, mit dem Vorsorge und Erbe geregelt werden.

Im Todesfall

Im Konkubinat gibt es für die überlebende Partnerin oder den überlebenden Partner keinen Erb- oder Pflichtteilsanspruch. Ein Testament oder ein Erbvertrag ist zwingend notwendig, wenn du deine Lebenspartnerin oder deinen Lebenspartner begünstigen willst. Zu beachten sind allfällige Pflichtteile Dritter wie Eltern oder Kinder aus einer vorhergehenden Ehe. Mit einem Testament regelst du, wie das Erbe aufgeteilt werden soll. Ohne Testament wird dein Erbe wie gesetzlich vorgesehen aufgeteilt.

  • Leistungen aus der 1. und 2. Säule: Von der AHV oder der Unfallversicherung wird keine Witwen- oder Witwerrente ausbezahlt. Im Rahmen der 2. Säule kann es einen Anspruch auf eine Hinterlassenenleistung geben. 
  • Leistungen aus der 3. Säule: In der privaten Vorsorge ist die Begünstigung unterschiedlich geregelt: In der Säule 3a ist die Partnerin oder der Partner (nach fünfjähriger ununterbrochener Partnerschaft) den Nachkommen und Personen, die von der verstorbenen Person in erheblichem Masse unterstützt worden sind, gleichgestellt, falls keine Ehe oder eingetragene Partnerschaft besteht. Bei gemeinsamen Nachkommen ist die Partnerin oder der Partner begünstigt. In der Säule 3b gibt es eine frei wählbare Begünstigung, jedoch müssen allfällige Pflichtteile beachtet werden.

Bei Trennung

Im Konkubinat gilt die Gütertrennung. Das bedeutet, dass jeder Partner sein Vermögen selbst verwaltet und darüber verfügt.

Im Falle einer Trennung kann es von Vorteil sein, wenn vorher ein Konkubinatsvertrag abgeschlossen wurde. So wird geregelt, wem was gehört. Dieser Vertrag ist sinnvoll, aber wird nicht gesetzlich geregelt.

Kinder

Für leibliche Kinder ist eine gemeinsame schriftliche Erklärung für die gemeinsame elterliche Sorge notwendig, in der die gemeinsame Verantwortung bestätigt und die Betreuung samt Unterhaltsbeitrag jedes Elternteils geregelt ist. Diese kann entweder mit der Kindesanerkennung auf dem Zivilstandsamt oder später bei der Kindesschutzbehörde abgegeben werden.

  • Für nicht leibliche Kinder ist Stiefkindadoption des in die Partnerschaft mitgebrachten Kindes seit 1. Januar 2018 möglich.
  • Die gemeinsame Adoption eines Kindes ist nicht möglich. Beide Partnerinnen oder Partner können jedoch alleine ein Kind adoptieren.
  • Zugang zur Fortpflanzungsmedizin wie künstliche Befruchtung ist erlaubt. Gespendete Samenzellen dürfen jedoch nicht verwendet werden.

Steuern

Im Konkubinat wird man getrennt besteuert. Das bedeutet: Jeder und jede muss sein oder ihr Vermögen und Einkommen selber versteuern.

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