Die 1. Säule – staatliche Vorsorge

Die 1. Säule – staatliche Vorsorge

EmmaLife 12.02.21 Ø 4 Min. Lesezeit

Die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) bildet zusammen mit den sogenannten Ergänzungsleistungen (EL) die 1. Säule des 3-Säulen-Modells in der Schweiz. 

Der Bund bezahlt den Leistungsempfängern  eine minimale Existenzgrundlage – für das Leben im Alter, bei Erwerbsunfähigkeit und nach einem Todesfall. Damit erfüllt die Schweiz ihre wichtigste sozialstaatliche Verpflichtung.

Sie umfasst:

Die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV)

Die Alters- und Hinterlassenenversicherung ist die obligatorische, staatliche Rentenversicherung der Schweiz. Sie sichert die finanzielle Existenz im Alter und schüttet im Todesfall Hinterlassenenrenten an Witwen, Witwer und Waisen aus. 

Beitragspflicht

Alle Beschäftigten in der Schweiz AHV-pflichtig. Die Beiträge werden durch den Arbeitgeber vom Lohn abgezogen und nach dem Umlageprinzip direkt für die Zahlung der laufenden Rentenzahlungen verwendet. Dabei teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die abzuführenden Beträge zu gleichen Teilen. Die AHV-Beitragspflicht greift ab dem 17. Altersjahr und endet im Rentenalter (Frauen 64 Jahre, Männer 65 Jahre).

Beitragsdauer und Beitragslücken

Jedes fehlende Beitragsjahr führt zu einer Kürzung der Rente, die im Alter an die versicherte Person ausbezahlt wird. Versicherte Personen haben die Möglichkeit, Beitragslücken an die AHV-Kasse innert 5 Jahren nach deren Entstehung zurückzahlen. 

Persönlicher Rentenanspruch

Die Grundlage für die Berechnung des Rentenanspruchs aus der 1. Säule ist das sogenannte «individuelle Konto» (IK). Dort wird das persönlich erwirtschaftete Einkommen errechnet und festgehalten. Einzelpersonen erhalten eine Einzelrente, die Höhe der AHV-Rente von Ehepaaren berechnet sich aus der halbierten Summe beider Einkommen. Liegt die ausbezahlte Gesamtrente 150% über der gesetzlich zulässigen Maximalrente, werden die Einzelrenten gekürzt. Dieser Umstand wird bei der Planung der Altersvorsorge oft vergessen und kann indirekt zu gefährlichen Einkommensausfällen im Alter führen.

Erziehungs- und Betreuungsgutschriften

Wer während seiner beitragspflichtigen Lebensphase Kinder unter 16 Jahren betreut, profitiert von zusätzlichen Erziehungsgutschriften. Diese werden dem für die AHV-Rente relevanten Jahreseinkommen angerechnet. Auf die gleiche Weise können auch Betreuungsgutschriften geltend gemacht werden, beispielsweise für die Betreuung von pflegebedürftigen Verwandten.

Zeitpunkt der Pensionierung

Der ordentliche Zeitpunkt für die Pensionierung erfolgt für Männer im Alter von 65 Jahren, für Frauen im Alter von 64 Jahren. Versicherte haben die Möglichkeit, den Bezug ihrer AHV-Rente um 1 oder 2 Jahre nach vorne zu verlegen oder um bis zu 5 Jahre aufzuschieben. Eine vorzeitige Pensionierung führt zu Kürzungen, ein Rentenaufschub wird mit einer höheren Rente belohnt. 

Leistungen im Rentenalter

Je nach erzieltem Durchschnittseinkommen und den daraus resultierenden AHV-Abzügen beträgt die ordentliche Vollrente mindestens CHF 1195.– und maximal CHF 2390.–. Ist eine Person gleichzeitig zum Bezug einer Witwen-/Witwerrente berechtigt, wird die höhere Rente ausbezahlt. Sind erziehungspflichtige Personen zum Bezug einer Kinderrente berechtigt, erhöht dies ebenfalls die ausbezahlte AHV-Rente. 

Leistungen im Todesfall

Hinterlassenenrenten sollen beim Tode eines Ehepartners oder eines Elternteils finanzielle Not aus Einkommensausfällen verhindern. Ansprüche auf Witwen- oder Witwerrenten haben Ehepartner sowie Geschiedene, wobei für Ehefrauen andere Voraussetzungen als für Ehemänner und Geschiedene gelten.

Die Invalidenversicherung (IV)

Die Invalidenversicherung ist ein integraler Bestandteil der 1. Säule des Schweizer Vorsorge-Systems. Ziel ist die Minderung der wirtschaftlichen Folgen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung der Erwerbstätigkeit.

Leistungen bei Invalidität

Berechtigt zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung sind Personen, die zu mindestens 40% aus gesundheitlichen Gründen nicht in den Arbeitsprozess eingegliedert werden können. Entstehende Lücken kannst du durch eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung schliessen. 

Die Ergänzungsleistungen (EL)

Wer eine AHV- oder IV-Rente bezieht und dessen Einkommen die minimalen Lebenskosten nicht deckt, hat Anspruch auf Ergänzungsleistungen. Anders als die Leistungen der AHV/IV, die im Umlageverfahren durch die arbeitende Bevölkerung finanziert werden, werden Ergänzungsleistungen aus den Steuergeldern von Bund und Kantonen getragen.

Wie funktioniert das Drei-Säulen-System der Schweiz? 

Das Drei-Säulen-System zählt zu den Grundwerten der Schweiz. Auf kollektiver Ebene garantiert es Stabilität und soziale Sicherheit. Individuell betrachtet ist vielen unklar, wie das System funktioniert. Durch dieses Unwissen können finanzielle Lücken entstehen, die unangenehme Folgen haben. EmmaLife klärt dich auf. 

Das Drei-Säulen-System in der Übersicht

Das Vorsorgesystem der Schweiz setzt sich aus 3 Säulen zusammen: der staatlichen, der beruflichen sowie der privaten Vorsorge. 

  • Die obligatorische 1. Säule, die AHV (Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung) dient der Existenzsicherung. 
  • Mit der 2. Säule, der beruflichen Vorsorge (BVG), soll im Alter der gewohnte Lebensstandard aufrechterhalten werden. 
  • Mit der freiwilligen 3. Säule lässt sich eine private Vorsorge aufbauen, mit der du das Alter absichern und Steuern sparen sowie Risiken wie Todesfall und Erwerbsunfähigkeit versichern kannst. 

Die erste Säule: staatliche Vorsorge zur Existenzsicherung

Die 1. Säule umfasst AHV / IV sowie die sogenannten Ergänzungsleistungen (EL). 

Die Finanzierung der 1. Säule entspringt dem solidarischen Prinzip: Erwerbstätige in  und Arbeitgeber in der Schweiz zahlen monatliche Beiträge ein, mit denen Zahlungen an heutige Rentner finanziert werden. Aktuell liegt das AHV-Alter für Frauen bei 64 und für Männer bei 65 Jahren. 

Mit der ersten Säule erfüllt die Schweiz ihre wichtigste sozialstaatliche Verpflichtung. Leistungsempfänger aus der ersten Säule verfügen damit im Alter, bei Erwerbsunfähigkeit und nach einem Todesfall über eine Existenzgrundlage.

Gegenstand Obligatorische Vorsorge
Basis AHV (Alters- und Hinterlassenenversicherung)
  IV (Invalidenversicherung) 
  EL (Ergänzungsleistungen)
  EO (Erwerbsersatzordnung)
Ziel Existenzsicherung
Finanzierung Umlageverfahren

Die zweite Säule: berufliche Vorsorge 

Die 2. Säule des schweizerischen Vorsorgesystems bildet die berufliche Vorsorge (BVG), die in der Umgangssprache auch oft «Pensionskasse» genannt wird. Deren Leistungen sollen zusammen mit der AHV aus der ersten Säule bis zu 75% des letzten Lohnes absichern. Auskunft über die Altersrente gibt der Vorsorgeausweis, den die Pensionskasse jeweils zu Jahresbeginn verschickt. Im Gegensatz zur ersten Säule wird die betriebliche Altersvorsorge im Kapitaldeckungsverfahren finanziert. Das heisst, du sparst und bezahlst direkt für deine eigene Leistung.

Gegenstand Obligatorische, berufliche Vorsorge
Basis BVG (Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge)
  UVG ( Bundesgesetz über die Unfallversicherung)
Ziel Fortsetzung des gewohnten Lebensstandards in Verbindung mit der ersten Säule. 
Finanzierung Kapitaldeckungsverfahren (Sparen)

Die dritte Säule: private Vorsorge

Da die Leistungen aus der 1. und der 2. Säule heutzutage oftmals nicht ausreichen (sie decken ca. 60 bis 75% des letzten Einkommens). Viele Menschen entscheiden sich im Alter für eine zusätzliche private Vorsorge auf der Basis der 3. Säule, um den gewohnten Lebensstil aufrechtzuerhalten und unangenehme Einkommenslücken zu verhindern.

Die 3. Säule (bestehend aus der Säule 3a sowie der Säule 3b) ist eine freiwillige Ergänzung zu den Leistungen aus der AHV/IV sowie der beruflichen Vorsorge. 

Dabei wird zwischen der Säule 3a (gebundenen Vorsorge) und der Säule 3b (freien Vorsorge) unterschieden. Die Säule 3a ist auf einen jährlichen Maximalbetrag begrenzt und unterliegt einigen Einschränkungen. Dafür kannst du diese jährlich von der Einkommenssteuer abziehen. Bei der Säule 3b gibt es weniger Einschränkungen, dafür aber auch keine direkten Steuervorteile.